Das Geschäft mit dem Müll – die Abfallwirtschaft in Österreich

Verbrennen, deponieren oder recyclen?

Sobald der Abfall in der Tonne ist, interessiert es die Meisten nicht was damit passiert. Dass mit unserem Müll jährlich ca. 5 Milliarden € Umsatz erwirtschaftet wird und um die 30 000 Arbeitsplätze bestellt werden wissen die Wenigsten.

Es wird in Österreich bereits in der Volksschule erklärt, dass das verschimmelte Jausenbrot in die Biotonne und die Plastikflasche in die gelbe Tonne kommt – wir sind tatsächlich vorbildliche Mülltrenner. In Form von kommunalen Abgaben bzw. Betriebskosten tragen alle Bürger etwas zur Mülltrennung bei. Aber welche Vorteile bringt die Mülltrennung?

Grundsätzlich muss klar sein, dass die funktionierende Abfallwirtschaft in Österreich auf einer guten und fast lückenlosen Gesetzgebung beruht. Für das Entsorgen von Abfall gibt es eine Vielzahl an Gesetzen, Normen, Richtlinien etc. Dafür verantwortlich ist das Bundesministerium für ein lebenswertes Österreich (aka Umweltministerium) welches in puncto Abfallwirtschaft und Abfallrecht im europäischen Vergleich eine Vorbildfunktion einnimmt. Allerdings werden die Regelungen und Verordnungen in den Bundesländern unterschiedlich angewandt, so kommt es zu regionalen Unterschieden. Ziel dieser Gesetzgebung ist es, Mensch und Umwelt sowie nachkommende Generationen nicht zu belasten bzw. vor schädlichen Einwirkungen zu schützen.

Jeder von uns produziert im Jahr ca. 601 kg Müll.*

Um nicht im Dreck zu ersticken werden folgende Schritte eingehalten um die Müllberge unter Kontrolle zu haben:

1. Abfallvermeidung

Eines ist klar: das Müllgeschäft ist ein sicheres Geschäft. Abfallkonzepte gibt es schon seit dem alten Rom (auch hier gab es schon so etwas wie eine Müllsteuer) und seither wird Müll von Jahr zu Jahr mehr. Weniger Verpackung, Reparatur, Second Hand und Langlebigkeit von Produkten entspricht leider nicht unserer Wegwerfgesellschaft, wirkt dem wachsenden Müllberg entgegen. Auch die Möglichkeit kaputte oder alte Geräte an den Hersteller zurück zu geben hilft Abfälle zu vermeiden. Hier stellen wir euch ein paar wichtige Reperaturdienstleister vor:

Repair Cafe
Löwengasse 42 (im „Laer“)
1030 Wien
http://www.repaircafe.wien

Fixmyphone
Mobilier Reperaturdienst für Handys und Smartphones
+43 699 156 56 125
www.fixmyphone.at

Auf Reperaturnetzwerk.at und Reperaturfuehrer.at findet ihr viele weitere Reperaturdienste für eure kaputten Dinge.

2. Vorbereitung zur Wiederverwendung

Um den Abfall überhaupt wieder verwenden zu können und Sekundärrohstoffe zu gewinnen muss er vorab sortiert werden. Hier kommt uns nun die Mülltrennung zu Gute! Das Sammeln und Sortieren des Mülls ist ohnehin eine herausfordernde Aufgabe. Muss man Glas von Plastik von Metall von Papier von Biomüll im Nachhinein trennen, sind teure Anlagen und teure Fachkräfte nötig.

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3. Recycling

Habe ich nun einen sortierten und vorbehandelten Abfall, kann ich im Idealfall wieder ein Produkt daraus herstellen. Wie es zum Beispiel bei PET-Flaschen oder Altpapier passiert. Weniger Primärrohstoffe, also Erdöl oder Holzfaser, sind für Recycelte Produkte notwendig und  schonen die Ressourcen und damit auch Umwelt. Die aus dem Recycelten Abfall entstandenen Sekundärrohstoffe bieten eine günstige Alternative für viele produzierende Unternehmen und genießen beim Endkonsumenten einen guten Ruf hinsichtlich der Nachhaltigkeitrecycling-pet-bottles-infographic

Quelle: http://ripplefxwater.com/pet-bottle-being-recycled/

4. Sonstige Verwertung

Gibt es für den Müll tatsächlich keine Chance auf Reanimation, kann man ihn immer noch thermisch verwerten – also kontrolliert verbrennen.

Mit der entstandenen Verbrennungshitze lässt es sich zum Beispiel sehr gut heizen. Die vier Wiener Müllverbrennungsanlagen (Spittelau, Pfaffenau, Simmeringer Haide und Flötzersteig) speisen ca. 1,5 Millionen Megawattstunden pro Jahr in das Fernwärmenetz ein. Auch hier wird durch Müll Geld erwirtschaftet. Nicht nur Hausmüll sondern auch Sondermüll und Klärschlamm aus den Wasser-Kläranlagen wird verbrannt und dabei im Volumen so stark reduziert, dass nur mehr der letzte Schritt nötig ist.

Die thermische Verwertung ist an sich ein sehr umfangreiches Thema welches diesen Rahmen sprengt. Keine Sorge, wir werden euch das Thema der thermischen Verwertung in Zukunft etwas näher bringen.

Es sei nur noch erwähnt, dass Müll mit hohem Plastikanteil besser brennt und deshalb der Plastikmüll in den Verbrennungsanlagen begehrt ist. 

5. Beseitigung

In Österreich darf kein Müll unbehandelt deponiert werden. Nach den oben genannten vier Schritten sollen nur mehr Abfälle übrig bleiben, die ohne Gefährdung unserer Gesundheit und der Umwelt deponiert werden können. Hier gilt die Deponieverordnung in welcher Regelungen zu Abfallannahme, Oberflächenabdichtung oder Deponiegasentwicklung zu finden sind. Einfach Müll abladen und eingraben geht nicht, denn niemand hat gerne Deponiesickerwasser in seiner Wasserleitung.

Die größte Deponie Österreichs ist in Rautenweg. Sie ist eine High-Tech Anlage die sich um die Müllsammlung, thermischen Verwertung bis hin zur Deponierung der Verbrennungsrückstände kümmert. Die Deponie produziert 8x so viel Strom wie für den Deponiebetrieb selber benötigt wird, der zusätzliche Strom wird dann in unser Fernwärme netz eingespeist.*

Für unser Abfallproblem gelten also vier Lösungsansätze in dieser Reihenfolge: 

1. Vermeiden ❌

2. Recycling ♻

3. Verbrennen 🔥

4. Deponieren 🗻


Die Müllentsorgung, -sammlung und dessen Verwertung ist ein komplexer Prozess der auch behördlich überwacht wird um unseren Lebensraum lebenswert zu machen.

Seit Anfang der 1990er Jahre kümmert sich in Österreich flächendeckend vor allem ein Unternehmen um unseren Müll: die Altstoff Recycling Austria Aktiengesellschaft – kurz ARA. Die ARA sammelt, entsorgt und verwertet und dafür nimmt sie Geld; zum Beispiel von Gemeinden oder Unternehmen. Sie macht ihre Sache gut, dennoch wird der Preis durch die Monopolstellung vom Marktführer bestimmt. Im Jahr 2015 wurden bei der ARA 145,9 Millionen € nur durch Lizenzverträge mit müllproduzierenden Kunden eingenommen. Auch kein Dreck. 


* in Österreich 2010. EU-Durchschnitt: 524 kg/Kopf/Jahr

Quellen:
Bundesministerium für ein lebenswertes Österreich (02/2017)

Autorin: Lisa Lehensteiner

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