Der Strom, der Fluss und die Boje

Ein unsichtbares Wasserkraftwerk namens Strom-Boje

Es ist kein Geheimnis. Die kinetische Energie des Wassers lässt sich in elektrische Energie umwandeln. Die gängigste Methode hierbei ist das Wasserkraftwerk  in welchem entweder strömendes Wasser eines Flusses eine Turbine antreibt (Lauf bzw. Flusskraftwerk) oder  indem aufgestautes, fallendes Wasser eines Stausees (Speicherkraftwerk) Turbinen in Bewegung setzt und Generatoren antreibt. In Österreich sprechen wir von ca. 120 Wasserkraftwerken und zusätzlichen 3100 Kleinwasserkraftwerken die teilweise seit über hundert Jahren für uns sogenannten “Ökostrom” produzieren. Seit ca. 10 Jahren arbeitet man in Niederösterreich an einer weiteren wirtschaftlichen Methode aus strömenden Gewässern Energie abzuleiten. Der Grafiker und Industriedesigner Fritz Mondl und sein Team bei aqualibre arbeiten an der Strom-Boje ® .

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Transport einer Boje (Foto: aqualibre)

Der mittlerweile dritte Typ der Strom-Boje ®  ist eine 11 m lange und ca. 6 t schwere Boje, die am Boden größerer Flüsse wie der Donau oder dem Rhein fixiert wird und auch mittels einer Turbine die kinetische Energie des fließenden Wassers umwandelt. Wie ein Wal liegt sie unter der Wasseroberfläche, ist kaum sichtbar und verfügt über einen 250 cm-Rotor mit einer Nennleistung von 70 kW  bei einer Strömung von 3,3 m/s. Je nach Standortqualität kann sie bis zu 300 MWh im Jahr liefern.

Eine Stromboje ®  vom Typ 3 kann ca. 70 österreichische Haushalte gleichmäßig mit Strom versorgen und ist auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt. Die Kosten einer Strom-Boje 3 ® belaufen sich auf Euro 250.000,- (Stand 2016). Dieses Jahr soll die Strom-Boje 3 ®  in Serie gehen und erste Aufträge aus dem Inland, Deutschland und der Schweiz abdecken.

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Die Stromboje liegt unter der Wasseroberfläche (Foto: aqualibre)

Innovation aus Niederösterreich

Getestet werden die Prototypen seit 2006 in dem Wachauer Ort Kienstock direkt in der Donau, wo sie auch das Hochwasser von 2013 überstanden haben. Konzipiert und gebaut wurden die Bojen mit Hilfe von mehreren Partnern von der Aqua Libre Energieentwicklungs GmbH mit Firmensitz in Österreich.

Flexible Anwendung

Die Vorteile eines mobilen Unterwasserkraftwerks liegen meiner Meinung nach in der Flexibilität. Der Bau eines großen Wasserkraftwerks dauert Jahre, erfordert große Mengen an Ressourcen und bedeutet einen massiven Eingriff in die Umwelt. Die Strom-Boje ® hingegen wird innerhalb von Tagen in Betrieb genommen. Verschleißteile können unkompliziert ausgewechselt werden, die Auswirkungen auf Anrainer und Umwelt sind im Vergleich minimal. Leistungstechnich würde es natürlich mehrere Bojen brauchen um einem Donaukraftwerk nahe zu kommen.

Interessant ist der Einsatz von Strom-Bojen in wirtschaftlich benachteiligten Ländern bzw. in entlegenen Regionen. Außerdem vermeidet man das Risiko aufgrund eines beschädigten Staudamms von einer Flutwelle verschüttet zu werden wie es zum Beispiel in Südwestchina durch Erdbeben und Erdrutsche angekündigt wurde. Dort drohten ganze Regionen unter einer instabilen Staumauer begraben zu werden. Dazu mehr.

Wir finden diese technische Entwicklung sowie die praktische Umsetzung fantastisch und wünschen allen Beteiligten strömenden Erfolg.

Quelle:
aqualibre.at
http://www.kleinwasserkraft.at

Autorin: Lisa Lehensteiner

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