„Future Energy“ auf der Expo in Astana

Ars Electronica meets Disney Land. So ist mein Eindruck von der diesjährigen Expo in Astana, die im Zeichen innovativer Energiegewinnung steht und das erste mal in einer Post-Sovjet-Region stattfindet. 

Die Expo in Astana fällt unter die Kategorie „Specialised Expo“, was bedeutet, dass sie der allgemeineren Expo bzw. World Fair in Größe und Zeitraum untergeordnet ist. Die Expo in Astana läuft ab 10. Juni drei Monate lang und obwohl Specialised Expos eine räumliche Eingrenzung von 25 ha Expogelände nicht überschreiten sollen, verschlingt diese Ausstellung 113 ha der kasachischen Hauptstadt (inklusive neu erbauten Wohnanlagen für die Aussteller). „Astana“ bedeutet auf kasachisch wortwörtlich „Hauptstadt“ und ist mit ihrer Ernennung 1997 eine sehr junge und schnell wachsende Stadt in der Steppe Kasachstans. Der Wachstum dieser Stadt und das Land an sich wurde aber durch den Handel mit fossilen Rohstoffen finanziert.

Vier Eco-Design Studenten haben sich, rund zwei Wochen nach der offiziellen Eröffnung des Geländes, in den Flieger gesetzt und die Ausstellung besucht. Hier ein kurzer Bericht:

 expo4

 

Wir sind bereits am Vortag in Astana angekommen und möchten nun von der Innenstadt zum Expogelände. Die Daumen-raus-Taktik funktioniert und wir fahren mit dem Taxi etwa 10 km in südliche Richtung. Wo der Eingang ist wissen weder wir noch der Taxifahrer, also steigen wir einfach am Rande des gerade fertiggebauten Geländes aus. Am Schalter angelangt bezahlen wir ca. 33 € für zwei Tagestickets und freuen uns, vor der imposanten Glaskugel angelangt zu sein, welche mit acht Stockwerken den kasachischen Pavillon darstellt. Die Temperatur liegt bei ca. 30°C bei leichtem Steppenwind.

Wir beschließen, zuerst die einzelnen „Länderpavillons“, die Messestände der Nationen, zu besuchen und arbeiten uns durch ca. 110 Staaten. Niemand von unserer Gruppe hat tatsächlich alle bestätigten 115 Länder besucht, aber ich habe nicht mehr als 10 Pavillons ausgelassen. Die Räumlichkeiten der einzelnen Pavillons sind zwischen 700 und 2000 qm groß und versuchen, das Thema und den Bezug zum jeweiligen Land sowohl informativ als auch unterhaltsam und dekorativ darzustellen. 80% der Besucher sind Kasachen und kommen mit der ganzen Familie, deswegen ist die Expo keine Veranstaltung, die fachspezifisch in die Tiefe geht, sondern versucht, ein breiteres, interessiertes Publikum abzuholen.

Als energie- und umweltaffine Studenten sind wir zwar von den elektronischen Unterhaltungstechniken wie VR-Brillen, 3D-Animationsfilmen, unzähligen Touchscreens etc. beeindruckt, lernen inhaltlich aber nur wenig Neues dazu. Interessant ist vor allem, wie sich manche Länder zukünftige Energieszenarios ausmalen bzw. woran gearbeitet wird. Während der Großteil der Pavillons Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft und Biomasse präsentiert, sind es nur einige wenige Länderpavillons, wie zum Beispiel Russland, welche Atomenergie als zukünftige Quelle angeben. Was mir weiter auffällt, ist, dass nachhaltige Energie ein Thema der entwickelten Industrieländer ist. Der Afrikaplaza sowie auch der lateinamerikanische Plaza erinnern leider eher an eine Tourismusmesse als an „Future Energy“. Hier muss vermutlich an anderen Herausforderungen gearbeitet werden, bevor man sich der Energiewende verspricht.

russia
  • Mein persönlicher Favorit unter den Länderpavillons: Malaysien: Sehr gute Mischung aus individuellen Lösungsansätzen hinsichtlich „Future Energy“ und der Präsentation des eigenen Landes in einem tollen Ausstellungsdesign.
  • Welcher Pavillon hat meine Erwartungen ganz deutlich unterschritten: U.S.A.: Gruppeneinlass in den Pavillon, dort wird ein inhaltloser Film gezeigt. Danach ein Raum mit vielen Sponsorlogos. Exit.

​​Auch der Best-Practice Pavillon überzeugt mit internationalen Unternehmen, welche von einer Jury auserwählt werden und ihre nachhaltigen Innovationen vorstellen und teilweise auch Prototypen ausstellen. Auffällig dabei ist, dass es hauptsächlich europäische Unternehmen in diesen Pavillon geschafft haben; darunter auch österreichische Firmen wie Andritz Hydro.

Internationale Organisationen wie OECD, IRENA oder die Weltbank, als auch Konzerne wie Shell und Samsung sind auf der Expo vertreten und präsentieren ihre Tätigkeiten.

Wir bleiben beide Tage bis ca. 21:00 Uhr, organisieren uns eine Fahrt in die Stadt und kehren in diversen Lokalen ein.

Am letzten Tag verzichten wir auf das Hostelbett und fahren nachts schon zum Flughafen von wo wir um ca. 7:00 Uhr Früh wieder westwärts fliegen.

Mein Fazit:

1. Es gibt genug wissenschaftliche Grundlagen sowie Prototypen bezüglich alternativer Energielösungen, es liegt an den Regierungen sie umzusetzen.

2. Ich bin jetzt großer Fan der Expo-Ausstellungen und werde hoffentlich 2023 auf der Expo in Argentinien dabei sein.

3. Man kann sich in zwei Tagen nicht alles ansehen.


Quellen und Links:

http://www.bie-paris.org

https://www.forbes.com/sites/stephanrabimov/2017/06/09/5-reasons-to-visit-expo-2017-astana-now/#11b9920119fa

http://www.expoaustria.at/en/

Verfasst von: Lisa Lehensteiner

 

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